„Die Reformation ist kein Museumsstück.“ Das hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, am Mittag unterstrichen. Der Präses gab vor Journalistinnen und Journalisten einen Ausblick auf die kommende Tagung der Landessynode. Das oberste Leitungsgremium der rheinischen Kirche tagte vom 8. bis 13. Januar 2017 im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr. Die Reformation, die sich in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, sei mehr als nur Geschichte: „Sie ist Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe.“ Deswegen, so Rekowski, beschäftige sich die Synode auch mit Fragen, wie der Glaube wirksam zu den Menschen gebracht werden könne.

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Darum geht es zum Beispiel in einer Beratungsvorlage, die den Weg zu neuen Gemeindeformen ebnen soll. Bisher ist die sogenannte Parochie die Regel, das heißt: Die Menschen gehören aufgrund ihrer Wohnadresse zur Ortsgemeinde. Künftig gehe es darum, „neue Formen des Kircheseins nicht nur angstfrei zuzulassen, sondern auch zu befördern und zu ermöglichen, damit wir die Menschen, um die es der Botschaft Gottes geht, auch tatsächlich erreichen“, erklärte Vizepräses Christoph Pistorius. Es müssten aber z. B. auch Gemeinden auf Zeit möglich sowie personell und finanziell arbeitsfähig sein.

Zeit fürs Wesentliche

Ein anderer Aspekt der Frage, wie Kirche den Glauben zu den Menschen bringt, sei, „wie die Pfarrerinnen und Pfarrer in unserer Kirche Zeit für diese wesentliche Aufgabe in Seelsorge und Verkündigung finden“, ergänzte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. Unter dem Titel „Zeit fürs Wesentliche“ hatte die Landessynode 2014 eine Umfrage und Diskussion in den Presbyterien der Gemeinden zwischen Emmerich und Saarbrücken über Zeiteinsatz und Aufgaben angestoßen. „Davon ausgehend“, so Rudolph, „wird der bevorstehenden Synode empfohlen, eine verbindliche Vereinbarungskultur einzuführen“. Diese orientiere sich an den Aufgaben, denn eine konkrete Zeitvereinbarung werde nicht angestrebt.

Der leitende Jurist Vizepräsident Dr. Johann Weusmann gab – vertretungsweise – auch einen kurzen Überblick über die Finanzlage der Evangelischen Kirche im Rheinland, worüber Finanzchef Oberkirchenrat Bernd Baucks die Synodalen im Januar ausführlich informieren wird: In der Prognose für das zu Ende gehende Jahr 2016 beziffert er einen Kirchensteuerverteilbetrag von 717 Millionen Euro; ursprünglich lag die Schätzung um drei Millionen Euro höher. Der Steuerschätzwert für das Jahr 2017 beläuft sich nun auch auf 717 Millionen Euro als Kirchensteuerverteilbetrag. Der Kirchensteuerverteilbetrag ist die Summe, die in der rheinischen Kirche tatsächlich zur Verfügung steht. Mit Blick auf die künftig erwartete Kirchensteuerentwicklung kommentierte Vizepräsident Weusmann: „Perspektivisch werden wir uns auf den Scheitelpunkt einstellen müssen – steigende Kirchensteuern sind kein Naturgesetz.“

Breite ökumenische Beteiligung schon im Eröffnungsgottesdienst

Die Andachten an den vier Plenumstagen beschäftigen sich laut Präses Rekowski mit den vier Begriffen, mit denen der Reformator Martin Luther die Hauptsache des Glaubens in die Mitte gestellt hat: Jesus Christus, Gnade, Glaube, Bibel. „Und ich und ich freue mich besonders, dass unser katholischer Bruder Bischof Franz-Josef Overbeck am Synodenmontag die Andacht zu „sola scriptura“ – nur die Schrift – hält. Er wird auch im Eröffnungsgottesdienst liturgisch mitwirken, ebenso wie Bischof Matthias Ring von den Alt-Katholiken und Superintendent Dr. Rainer Bath vom Distrikt Essen der Evangelisch-methodistischen Kirche, Pfarrerin Karen Wilson von der Evangelischen Brüdergemeine Neuwied sowie Erzpriester Constantin Radu Miron von der Griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland. Weil wir – wie die Reformatoren – Christus in den Mittelpunkt stellen, können wir uns in diesem Gottesdienst der einenden Taufe erinnern und ökumenisch feiern.“