Seit einigen Tagen hängen – auch in Viersen – Plakate mit dem Gesicht des Reformators Martin Luther und der Behauptung, er würde eine bestimmte Partei wählen: „Ich könnte nicht anders“.

Auch wenn es in seinen Spätschriften viele Stellen gibt, in denen er das dunkle Judenbild seiner Zeit aufnimmt und leider nicht bekämpft, ist dieser Plakataussage deutlich und an vielen Stellen zu widersprechen.

Zum einen ist es historisch absolut unredlich! Zu seiner gab es weder „Deutschland“, noch ein „deutsches Volk“ oder jeden Gedanken von Inländern im Gegenüber zu Ausländern, nicht mal eine „deutsche Sprache“ war existent. Kein deutscher Nationalstaat, keine deutsche Staatsangehörigkeit.

Das Zitat, das auf dem Plakat (falsch) wiedergegeben wird, fiel 1521 auf dem Reichstag zu Worms, an dem er gegenüber Kaiser, Kirche und Reich festgehalten hat, dass sein Gewissen allein an die Heilige Schrift gebunden ist.

Theologisch wendet er sich mit dieser Aussage gegen jede Vorstellung eines Christentums, die einen anderen Maßstab als die Heilige Schrift anlegt: Weder die Kirche, noch der Staat, schon gar nicht irgendein Volk kann für sich definieren, was das Christentum ist – allein die Schrift ist an dieser Stelle zu Rate zu ziehen. Wenn man sich auf Martin Luther berufen will, muss man nachweisen, dass die Positionen mit denen der Bibel übereinstimmen.

Dort steht im dritten Buch Mose 19, 33f: „Den Fremdling sollt ihr nicht bedrücken, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ Und im Matthäusevangelium 25, 40 sagt Jesus: „Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern (den Armen, den Fremden, den Kranken, den Gefangenen), das habt ihr mir getan!“

Dies ist der Maßstab, an dem sich jedes politische Handeln messen lassen muss, das sich auf das Christentum oder einen Kirchenvater oder eine Kirchenmutter beruft.

Auch juristisch ist die Verwendung dieses Plakates falsch: Bei dem verwendeten Porträt des Reformators handelt es sich um ein Werk von Lucas Cranach von 1528. Die Bildrechte an diesem Porträt liegen bei der Stiftung Luthergedenkstätten, die nun rechtliche Schritte erwägt, so Stefan Rhein, Direktor der Stiftung.